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Jornada cultural - Der spanische Adel: Kultur und Geschichte(n)

Am 13. November 2014 fand am Romanischen Seminar eine Jornada cultural zum Thema Der spanische Adel: Kultur und Geschichte(n) statt. Prof. Dr. Claudia Gronemann und Dr. des. Agnieszka Komorowska hatten Kollegen und Studierende zu einem Parcours durch literarische, historiographische und mediale Adelsdiskurse vom späten Mittelalter bis zum 21. Jahrhundert eingeladen. Neben wissenschaftlichen Vorträgen stand die Präsentation studentischer Poster auf dem Programm.

Den Auftakt machte Prof. Dr. Robert Folger von der Universität Heidelberg mit einem Vortrag zur Herausbildung des adligen Subjekts in mittelalterlichen Chroniken. Am Beispiel des Adelsregisters Generaciones y semblanzas von Fernán Pérez de Guzmán zeigte er wie in Listen, Stammbäumen und kurzen Porträts von spanischen Adelsgeschlechtern die Frühphase der diskursiven, genealogischen Ausbildung von Adel modelliert wurde. Der folgende Vortrag von Dr. des. Agnieszka Komorowska (Universität Mannheim) zum Verhältnis von höfischem Verhaltensideal und Freundschaft im Siglo de Oro setzte mit dem 17. Jahrhundert in der Hochphase der höfischen Literatur an. Der Schwerpunkt lag auf Baltasar Graciáns Traktat El discreto und der dort verhandelten Spannung zwischen strategischen und echten Freundschaften. Der Vortrag von Prof. Dr. Claudia Gronemann (Universität Mannheim) erweiterte die Fragestellung um eine kritische Auseinandersetzung mit Adel und Geschlecht in der Aufklärung. Anhand der Figur des petimetre, der im 18. Jahrhundert als Sinnbild für einen verweiblichten, dekadenten Adel stand, sowie anhand der Sonderrolle der adligen Frauen in den zeitgenössischen Salons und patriotischen Gesellschaften zeigte sie die diskursive Verflechtung von Genderpolitik und Adelskritik. Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Adel stand auch im Zentrum des Vortrags von PD Dr. Jutta Weiser (Universität Mannheim) zur Ironisierung der Standeskultur in Benito Pérez Galdós‘ Roman La desheredada. Dieser naturalistische Roman aus dem 19. Jahrhundert inszeniert Adel als romaneske Illusion anhand der pathologischen Fallgeschichte einer jungen Frau, die die Idealisierung ihrer vermeintlich adligen Abstammung in den Wahnsinn treibt.

Der zweite Teil der Veranstaltung war der Präsentation wissenschaftlicher Poster gewidmet, die Studierende zu Adelsdiskursen vom 17.-21. Jahrhundert vorbereitet hatten. Im Rahmen der literaturwissenschaftlichen und sprachpraktischen Seminare des laufenden Semesters sowie in einem eintägigen Posterworkshop unter der Leitung von Meike Klinck (Ruhr-Universität Bochum) sind insgesamt neun Poster entstanden, an denen 25 Studierende in Gruppen von zwei bis vier Teilnehmern gearbeitet haben. Das Genre ‚wissenschaftliches Poster‘ war für die meisten von ihnen eine neue Präsentationsart. Die Feuertaufe vor einem Publikum von ca. 60 Besuchern haben sie bravourös gemeistert. Das Themenspektrum reichte von Postern zur Novelle des 17. Jahrhunderts über das Theater des 18. Jahrhunderts bis zur Kritik an den ‚negocios oscuros‘ von Juan Carlos I sowie der Analyse der Antrittsrede von Felipe VI und dem ökonomischen Nutzen der Beziehungen zu Lateinamerika für das spanische Königshaus. Bei Tapas und spanischem Wein konnten die Besucher während einer offenen Postersession darüber abstimmen, welches Poster ihnen besonders gefallen hat. Der Publikumspreis ging an das Poster Zwei adlige Frauentypen im Kontrast: María Rosa Gálvez, La familia a la moda von Alexander Roth, Janina Amend, Philipp Weinhold und Edna Rieger. Den zweiten Platz machte das Poster ¿Un Reinado Moderno? Un análisis de la proclamación de Felipe VI von Carola Lingenberg und Andrea Chagas López und den dritten Platz das Poster Spanische Gefangene oder englische Dame? Cervantes‘ Darstellung des englischen Hofes anhand der Novelle La española inglesa von Lisa Knob, Isabella Mangei und Franziska Scherenberg.

Die Poster sind bis zum 27.11.2014 in der Universitätsbibliothek A3 und danach in der Lounge des Learning Centers der Bibliothek Schneckenhof ausgestellt.


Täuschung als höfische Strategie?
Das Motiv des engaño/desengaño am Beispiel von Cervantes' Novelle La gitanilla

Nathalie Brucker, Larissa Blau


Spanische Gefangene oder englische Dame? Cervantes‘ Darstellung des englischen Hofes anhand der Novelle La española inglesa

Lisa Knob, Isabella Mangei, Franziska Scherenberg


Das höfische Spiel - mehr als bloße Unterhaltung?

Lisa Pfeiffer, Julia Pfeiffer, Natascha Klumb


Zwei adlige Frauentypen im Kontrast:
María Rosa Gálvez, La familia a la moda

Alexander Roth, Janina Amend, Philipp Weinhold, Edna Rieger


 La decadencia de la Monarquía borbónica

Anja Schmitt, Mira Bechinger, Elisa Hiegler, Cindy Simon


 Los negocios oscuros de Juan Carlos I

Claire Fiedler, Julia Krumkamp, Marie-Josefine Kölbel


 Lucrarse en nombre de la corona

Sarah Trabazo-Neff, Victoria Elspaß


El poder económico de la Casa real.
El papel significativo del rey español en las relaciones económicas entre España y Latinoamérica

Kaja Teresa Maurer, Swetlana Junker


 ¿Un Reinado Moderno?
Un análisis de la proclamación de Felipe VI

Carola Lingenberg, Andrea Chagas López




Die Veranstaltung fand mit der freundlichen Unterstützung der Otto-Mann-Stiftung, von ABSOLVENTUM e.V. und Vinos Ibericos (Miguel Herce) statt.